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Chronik

Volksschule Matrei im Wandel der Zeit

In der mittelalterlichen Stadt Matrei legte man schon frühzeitig großen Wert auf ein geregeltes Schulwesen. Der älteste Nachweis über den Bestand einer Schule im Ort stammt aus dem Jahr 1334: In einer Urkunde des Innsbrucker Stadtarchives wird "Hannes der Schelmaister von Matrey" als Zeuge genannt. In welchem Gebäude damals der Unterricht abgehalten wurde, ist nicht bekannt.

Im Jahre 1498 verkaufte Prinz Sixtus Trautson dem Barthlmä Gstirner das heutige Haus Altstadt 2 (früher Gasthof Traube). Ab diesem Zeitpunkt war hier die Schule untergebracht : "... und hat jetzt und darauf die Schwell. Dafür gibt die Kirche jährlich 3 Pfund Perner Grundzins." Daraus ist auch bereits ersichtlich, dass die Schule damals in den Zuständigkeitsbereich der Kirche fiel. Die Lehrer mussten von ihr angestellt und bezahlt werden. Ihr Verdienst war gering, die soziale Stellung niedrig. Die Kinder hatten in der Schule hauptsächlich religiöse Inhalte zu lernen. Lesen und Schreiben nahmen noch eine untergeordnete Stelle ein. Schriftliches Rechnen wurde nur gegen einen Aufpreis unterrichtet. Für die Heizung und Beleuchtung der Schule mussten die Schulkinder selbst mit Naturalien sorgen.

1833 wurde das Schulhaus baulich etwas verbessert, zwei Zimmer wurden "mittelmäßig hergestellt". Damals besuchten 80 bis 90 Kinder die erste oder untere Klasse und ungefähr 80 Kinder die zweite oder obere Klasse.

1859 verlegte man die Schule in das zu diesem Zwecke umgebaute "Maurerhäusl". Es stand an der Stelle des heutigen Schulhauses.

Schon ab 1902 plante man einen Neubau der Schule, der schließlich 1913 realisiert wurde. Ein Schmunzeln entlockt dem Leser der Chronik folgende Eintragung: "Da die Matreier nach ihrem eigenen 'Grind' und Plänen bauten, verweigerte man ihnen seitens des Landes jedwede Unterstützung. Erst nach Fertigstellung bekannten die Herren aus der Landeshauptstadt 'Es ist halt doch das schönste Schulhaus im ganzen Land.' und bewilligten nachträglich die Subvention."

In den Jahren 1965/1966 wurden ein weiterer Umbau und die Erweiterung des Schulhauses nach Norden hin notwendig. Am 2. Juli 1967 erfolgte die feierliche Einweihung und sämtliche Gäste konnten sich davon überzeugen, dass die Baukosten von 5 Millionen Schilling bestens investiert waren. Im Schuljahr 1967/68 besuchten 275 Schülerinnen und Schüler, aufgeteilt auf 9 Klassen, die "neue" Schule.

Eine weitere große bauliche Veränderung erfuhr die Voksschule Matrei schließlich im Jahr 1994: Bagger fuhren auf und Presslufthämmer kamen zum Einsatz. In der Schulchronik ist zu lesen, dass während der Bauarbeiten mancher Lehrer mit seiner Klasse ins Freie flüchtete. Die Freude über einen neuen Turnsaal überstrahlte jedoch alles und die Einschränkungen während der Bauphase wurden gerne in Kauf genommen.

Foto(s): 
VS Matrei bis 1913
VS Matrei bis 1965
VS Matrei bis 1994
VS Matrei bis 2009